Brötchentütendesignkritik

Ton/Bild-Serie für Multimedia-Performance

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Das Frühstück heute im Kurhotel noch schlimmer als die letzten Tage:
komplett ungenießbar, selbst der Kaffee angebrannt.
Deshalb schnell auf ein Brötchen zum nächsten „Bäcker“, vor meiner ersten Anwendung heute.

Im Bäckerladen natürlich das nächste Desaster: die Brötchen zwar einigermaßen o.k., aber als ich dann die Tüte sehe, ist ein für alle Male Schluss. Ich atme dreimal langsam ein und noch langsamer wieder aus, um in meinen Dozenten-Modus zu wechseln. So wie in meinen Vorlesungen an der Creative School of Excellence in Wuppertal. Extreme Ereignisse fordern extreme Maßnahmen. Sich aufregen und pöbeln bringt hier nichts, diesen Leuten muss mal jemand von Grund auf erklären, wie der Hase läuft!

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Tarzans Eskapaden

Retro-Tip: Der Tip, der zu spät kam

Tarzans größtes Abenteuer, So, d. 8. November 1970, 15.25 Uhr im 2. Programm
Nur mit Röhrenfernsehgeräten und extraterrestrischer Antenne zu empfangen

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Tarzan kämpft gegen Treibsand und Stromschnellen, Krokodile und Giftschlangen, Banditen und Mörder, die vor nichts zurückschrecken.

Eine Bande von vier Männern und einer Frau hat aus einer Urwaldsiedlung Dynamitkisten gestohlen und bei dem Überfall einen Wächter getötet. Urwaldtrommeln rufen Tarzan zu Hilfe. Der Dschungel-König ahnt, was die Banditen vorhaben: Sie wollen sich eine Diamantenmine aneignen und die kostbaren Edelsteine aus dem Berg sprengen. Unterstützt von einer Hubschrauber-Pilotin namens Angie verfolgt Tarzan die Verbrecher. Dabei erlebt er sein "größtes Abenteuer".

Fernsehmuseum reloaded

Ein untotes Projekt kehrt zurück

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FERNSEHFRIEDHOF.DE
… die kollektive Schau der flimmernden Fernsehleichen

Abteilung DG und reproducts waren mit dem Fernsehmuseum in der Z-Bar wie immer heillos der Zeit voraus, als sie im Jahr 2001 die Soziale Plastik zum gemeinsamen Anschauen und Verarbeiten vergangener und zukünftiger TV-Traumata im Kino-Therapie-Saal dieser unbeugsamen Enklave im Herzen der Hauptstadt eröffneten. Doch jene Zeit war noch nicht reif für die Erkenntnis, dass Fernsehen in jeder Hinsicht eine museale Würdigung verdient. Einerseits weil es eine gigantische, großartige Kulturleistung ist, die eine immense Wirkung auf den Einzelnen wie die Gesellschaft hatte. Andererseits weil uns schon damals die goldenen Zeiten der linearen Einbahnstraßen-Glotzerei unwiderruflich vorbei schienen. Uns war klar, dass der interaktiven, nonlinearen „on demand“-Zapperei in zeitlicher Fragmentierung die Zukunft gehört. Und nun ist bereits eine Generation herangewachsen, die gar nicht mehr weiß, was das eigentlich war, dieses „Fernsehen“ – und vor allem dieses seltsame Ritual, das die Alten „gemeinsames Fernsehgucken“ nannten. Na bitte, diese Zeit ist nun also reif! reproducts und Abteilung DG reaktivieren mit Hilfe ihres endlosen Videoarchivs die Zeitmaschine wieder, setzen den Kristall-Hebel in die Steuerung, ziehen ihn bis Anschlag zurück – und laden ein, sich unter fachkundiger und psychologischer Betreuung diesem vergessenen Ritual auszusetzen und gemeinsam in eine Zeit zurückzureisen, als Antennen noch Wünschelruten für Sphärenschätze waren, die dem Menschen in der Masse via Kathoden-Totem Information und Unterhaltung brachten.

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Für eine würdige Premiere dieser ersten Neugestaltung der Sozialen Plastik Fernsehfriedhof.de am 6. Februar 2017 im Kino-Therapie-Saal der Z-Bar in der Bergstraße widmen wir uns einem Klassiker des Ratgeber-Fernsehens. Man muss dabei bedenken, dass das Fernsehens bis in die 90er Jahre hinein quasi der Halbgott in Bunt war. Was aus der Röhre strahlte, galt als die Wahrheit in 625 Zeilen PAL! So hatten dann auch die Medizin-Sendungen das Gewicht eines Chefarzt-Wortes. Niemand wusste das besser als Hans Mohl, der von 1964 bis 1993 „Gesundheitsmagazin Praxis“ im ZDF präsentierte. Zur gemeinsamen Analyse wird eine Ausgabe von 1992 vorgelegt, in der sich alles um die richtige, gesunde Ernährung dreht. Zusammen mit Computergrafiken, von denen einem schwindelig werden kann. Aber Schwindel ist ohnehin das Stichwort! Trotz aller guten Ratschläge und Aufforderungen zum Genussverzicht: Die Statistik belegt eindeutig, dass der Großteil der Leute, die die Sendung damals live gesehen haben, heute trotzdem tot sind! Tolle Bilanz dieser „gesunden Ernährung“.

FERNSEHFRIEDHOF.DE
Eröffnung am Montag, 6. Februar 2017 um 20 Uhr
Z-Bar, Bergstraße 2, 10115 Berlin

danach monatlich, jeweils am ersten Montag

Eintritt frei, Spenden werden nicht abgelehnt

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„In einen Toten tritt man ein wie in eine offene Stadt“
Jean-Paul Sartre

10 Jahre Wikipedia-Löschung

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„Ja, Lord Vader, wenn wir alle zusammen daran arbeiten, wird der Todesstern bald fertig sein!“

Was für eine schöne Überraschung, als wir durch einen Informanten von dem zehnjährigen Jubiläum unserer Wikipedia-Löschung erfuhren – also der Löschung aus einem Orbit, in dem wir ohnehin nie anwesend sein wollten – das muss gefeiert werden!

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Aber wie war es überhaupt dazu kommen?
Hier nun die Geschichte von Anfang an – soweit wir sie retrieven konnten:
Uns erscheint es am Plausibelsten, dass es mit unseren diversen Uni-Seminaren an verschiedenen Hochschulen und Medien-Akademien in dieser Zeit zu tun haben muss. Wahrscheinlich hat damals irgend jemand aus der Riege der Studierenden Ende 2006, Anfang 2007 – sicher gutwillig, aber ohne uns vorher zu fragen – gemeint, wir müssten in dem dicken Webschmöker der Wikipedia verewigt werden und den Eintrag »reproducts« verfasst. Der Wikipedia-Sicherheitsdienst ließ da nicht lange auf sich warten, denn bereits am 17. Januar 2007 um 18 Uhr hörte »reproducts« im blinden Spiegelkabinett der tiefer gelegten Liegefahrradfahrer auf zu existieren.
Über diesen Vorgang hätten wir nie etwas erfahren, wäre uns nicht am 17. Januar 2017, also genau 10 Jahre später, der obige Screenshot von einer uns unbekannten und dann sofort toten Mail-Adresse zugeschickt worden.

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Artenvielfalt

2008/2016
Film-Drehbuch
Do-It-Yourself-Projekt


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Dies ist das erste einer Reihe von DIY-Projekten von reproducts.
Reproducts stellt eine Idee zur Verfügung. In diesem Fall ein Drehbuch.
Interessierte dürfen diese Idee umsetzen.
Die Idee darf dabei interpretiert, aber nicht wesentlich verändert werden.
Das Produkt wird dann in Absprache mit dem Realisateur unter dem reproducts-Label veröffentlicht.
reproducts freut sich bereits auf die Resultate!


FILMTITEL

TEXTTAFEL:
„Die Welt ist so, wie sie ist. Ich habe das Beste aus ihr herausgeholt. Und sie hat es so gewollt.“
Titus A. Drescher

AUFBLENDE

Titelmelodie.
Dumpfe Trommeln stimulieren unseren Unterleib. Verhallte Synthie-Streicher dringen in unseren Gehörgang. Wir geraten in einen Strudel freudiger Erwartung.
Wir sehen Flugaufnahmen von Ozeanen, Savannen, Tundren und Regenwäldern. Sie bilden den Hintergrund für eine Schattenriss-Metamorphose: Wir werden Zeuge, wie aus einem Wasserfloh ein Frosch wird, daraus ein Fisch, eine Echse, ein Biber, ein Wolf, ein Huhn, ein Pferd, ein Affe, ein Mensch, ein Tierfilmer. Der Tierfilmer hebt eine Kamera an sein Auge. Aus dem Objektiv purzelt ein Wasserfloh. Der Mensch wird samt Kamera in den Wasserfloh gesogen. Das Bild zoomt ins Innere des zuckenden Flohs.
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01.01.2017

Postkarten-Edition Berghain 4

2016
Postkarten-Set à 3 Stück mit 1 Motiv
Auflage 1500 Stück

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Irgendwie waren 2016 die agfachromen Zeiten endgültig vorbei. Das spürten auch Ades Zabel und reproducts – im Allgemeinen wie im Besonderen. Und am Ende dreht sich sowieso alles um die Tür, die das „drinnen“ vom „draußen“ trennt.

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Freund Heim

Aus der Reihe: Das Ewige Rätsel der Woche

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Diese Postkarte wurde uns unter der Notausgangstür der mit Debolon ausgelegten reproducts-Archiv-Verwaltungszentrale durchgeschoben

Man könnte lange sinnieren über diese scheinbar unscheinbare Postkarte, aber machen wir es kurz: Wir werden nie erfahren, wie genau das zu verstehen gewesen sein sollte. War dieser Gebäudekomplex errichtet worden, um vielleicht etwas ganz anderem Herberge zu bieten, ja vielleicht sogar dem Gegenteil von Freundschaft, wie die Anführungszeichen androhen? Oder war dies sowieso gar kein Ort für Menschen, sondern sollte der Freundschaft – ganz platonisch als reale Idee gesehen – der Erholung von ebendiesen Menschen dienen, die sie so oft anrufen und dennoch aufs Übelste missbrauchen?

Die Detailbetrachtung der Bilder legt letztere Deutung nahe:

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Zwei Ansichten der großzügigen Empfangshalle des Erholungsheims – vollkommen menschenleer.

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Auch der Klubraum geriert sich wie für Menschen gemacht – ohne einem von ihnen eine Heimstatt zu bieten.

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