Die Tränenphiole II

1993
Ton-Diaschau, 25 Minuten
Sprecher: Ditterich von Euler-Donnersperg

phiolea
phioleb
phiolec

Der zweite Abschnitt der Leidens-Trilogie kreist um die Postkarten verflossener Liebschaften aus der Hinterlassenschaft eines bisexuellen Junggesellen.

Ein Postkarten-Bündel, zusammengerollt und in eine alte Kaffekanne gesteckt. Adressiert an einen gewissen Alexander Meynhardt. Offenbar ein Handlungsreisender, der sehr viel in Deutschland herumgekommen sein musste. Und im Zuge seiner Verkaufsreisen hatte er die Landkarte mit einem dichten Netz amouröser Abenteuer überzogen. Er war jedoch nicht nur räumlich, sondern auch emotional unstet. In einer Zeit vor Aids lebte er mit Frauen und Männern gleichermaßen seinen Sexualtrieb aus und weckte Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft, während er wie flirrender Kolibri schon unterwegs zur nächsten Blüte war. Die Karten seiner „Kunden“ und „Kundinnen“ sind ein Füllhorn sehnsuchtsvoller Reminiszenzen und enttäuschter Sehnsüchte.
Für Alexander Meynhart, oder wer immer diese Karten in die Kanne gesteckt hatte, schien das jedoch alles kalter Kaffee zu sein.