Todesboten

1994
Schwarzweiß-Video, 5 Minuten

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Kommissar Keller, Harry, Robert, Walter und die negativen Aspekte der Kripoarbeit: Wir beobachten diese Routiniers der schlimmen Botschaft bei der Erfüllung ihrer Pflicht

Der Kommissar und seine Gehilfen kommen an die Tür: „Ihr Mann / Sohn / Freund ist erschossen worden.“ Fassungsloses Entsetzen auf Seiten der Hinterbliebenen. Sie können den Satz nur bruchstückhaft wiederholen: „Erschossen, sagen Sie?!“ Durch die Bestätigung wird die schreckliche Nachricht zur Wahrheit: „Ja, erschossen.“ Boten und Empfänger der vernichtenden Nachricht geraten dabei in eine Kommunikationsspirale über die Verneinung des Seins, die in einen nihilistischen Taumel mündet.

»Todesboten« filtert die Essenz aus der ZDF-Serie Der Kommissar heraus. In jeder Folge arbeitet sich der Autor, Herbert Reinecker, erneut an der Frage ab, wie man das Unaussprechliche sachlich mitteilen kann. Seine Rettung ist eine ritualisierte Formelhaftigkeit, die Angst und Schuld gleichermaßen zu bannen in der Lage ist.

Der Zusammenschnitt von gut 30 Folgen der Serie ist die Blaupause aller späteren fernseharchäologischen Video-Analysen.

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Sechs Jahre und viele hundert Aufführungen von »Todesboten«
auf Festivals und Kurzfilm-Events, in Theaterstücken und im TV später hat der stete depressive Tropfen den Stein gehölt. Die Mitarbeiter wenden sich dem positiven, feierfreudigen Aspekt des Kommissar zu und erstellen aus den sympathischen Alkohol- und Zigaretten-Exzessen eine weitere Collage als Antidot: »Die Schrecklichen Trinker«

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