Der lange Marsch / I wie Ikarus

1997
Video, 3 bzw. 14 Minuten

marsch
Der lange Marsch, Klaus Bosseck
ikarus
I wie Ikarus, Frank Rudek
Nur der tiefe Glaube an die Möglichkeit des Unmöglichen kann einen
Menschen veranlassen, bei Windstille einen Drachen steigen zu lassen

Im Jahr 1997 bricht eine neue Ära an: Das Stichwort heißt „Diversifikation“. Die Materialflut reißt nicht ab und das Archiv platzt aus allen Nähten. reproducts erlaubt von nun an ausgewählten Personen, das Archiv zu nutzen und eigene Produkte zu fertigen. Zwei Früchte dieser Öffnung sind der strukturelle Kurzfilm des jungen Fernstudenten Klaus Bosseck aus Bitterfeld mit dem Titel »Der lange Marsch« und das Musikvideo »I wie Ikarus« von Frank Rudek, Regieassistent aus Fürstenfeldbruck.

Beiden Filmemachern wurde dasselbe Ausgangsmaterial zur Verfügung gestellt: ein 45-minütiges Videoband, dass die unermüdlichen Versuche eines etwa 12-jährigen Jungen dokumentiert, einen Drachen bei annähernder Windstille steigen zu lassen. Während Bosseck daraus eine melancholische, 13-minütige Parabel über das Menschsein formt, wirkt Rudeks Musikvideo zu dem alten Puhdys-Hit »Ikarus« heiter, beschwingt und optimistisch.

Das Musikvideo »I wie Ikarus« von Frank Rudek kann hier leider nicht gezeigt werden, da die GEMA dies verhindert.

Ob der »Der lange Marsch« von Klaus Bosseck weiterhin auf YouTube verfügbar ist, hängt allein davon ab, ob der Algorithmus der Crawler die Tonspur des Filmes als ausreichende Veränderung und damit als eigenständiges Werk oder als Urheberrechtsverletzung im Sinne der GEMA interpretiert.

Nachtrag 1. Februar 2016:
Das Leben ist in der Tat voller Überraschungen! Natürlich sollte das Video kurz nach dem Einstellen automatisch gesperrt werden, aber da bietet YouTube – in einer Beta-Version, verändert die bloß nicht! – ein Tool zur Bereinigung der angeblichen Copyright-Verletzung an. Ganz großes Ohrenkino! Der Sound der fraglichen Stellen wird so verstört, wie wir es selbst kaum besser hätten hinbekommen können. Danke, YouTube!