Geschlechter-Krimis

1997
Festival-Teilnahme bei den Lesbischwulen Filmtagen, Hamburg

taz

Im Rahmen der Lesbischwulen Filmtage Hamburg präsentiert die Gruppe ein Programm, dass die Männerwelt in den Krimiserien der 60er- und 70er Jahre beleuchtet.

Die ausgehenden 60er Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs und der gesellschaftlichen Neuorientierung – davon blieben auch die Geschlechterrollen nicht verschont. In Deutschland wie in den USA entdeckten Serienautoren, die wahren Hüter der Wirklichkeit, neue Formen des Zusammenlebens. Ihr Kennzeichen ist die Homogenität der Protagonistengruppe, die sich gegen die Heterogenität der Außenwelt behauptet und diese wieder in Ordnung bringt. Interessanterweise wird der latente Traum einer Homo-Weltherrschaft mit der unerbittlichen Reproduktion uralter Rollenmuster erkauft.

Der Kommissar ist das geschlossenste und dabei doch vielfältigste Produkt dieses Genres in Deutschland. Ebenso geprägt von der klaren Linie des Autors Herbert Reinecker wie der Handschrift der vielen Regisseure enstand hier ein facettenreiches Abbild bundesdeutscher Geschichte, das in der Konfrontation mit dem amerikanischen Minimalismus seinen Reichtum gewinnt. Anhand von ausgewählten Beispielen aus Der Kommissar, Cagney & Lacey und Starsky & Hutch werden verschiedene Ansätze untersucht.