07.11.2000

Felix Kubin präsentiert: 30 Minuut

Mockumentarys jenseits des Wahnsinns

30min

Felix Kubin, der Hamburger Dadatroniker, Elektroakustiker und Betreiber von Gagarin Records, ist selbst ein Mann wie Musik: Ungreifbar greifen seine Lieder an unsere Hirnstämme - wohlwissend, dass Ohren keine Lider haben. Wie eine Melodie zieht er um die Welt und sammelt zwischen den Notenlinien seines Herzens die unglaublichsten Dinge fremder Länder. Ein solches Fundstück trägt Felix Kubin nun ins Fernsehmuseum und wird es dort höchstselbst vorstellen und für uns Nichtätherwesen übersetzen: die einzigartigen Fake-Dokus aus dem Mutterland des Methadonscheins: 30 Minuut.

Arjan Ederveen hat das Ganze verbrochen und spielt auch gleich die Hauptrolle in den 30 Minuut betitelten Fernsehreportagen - sei es als holländischer Bauer, der sich dunkel pigmentieren und eine Lippenscheibe einsetzen lässt, um endlich in Afrika mit einem Stamm im Kraal zu leben; als Junkie, der sich im Rahmen eines neuen Projekts des Gesundheitsamtes seine Schüsse mit kleinen künstlerischen Arbeiten verdienen muss; oder als Nazikollaborateurin zwischen einst und jetzt. Die holländische Hölle der Calvinisten mit ihrer ätzenden Scheintoleranz ist die Welt Ederveens, die er schonungslos dokumentiert.

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Für den nichtsahnenden Zuschauer wirken die Reportagen absolut echt in einem Stil, der das reißerische der RTL-II-Nabelschauen durch die Betroffenheitsbrille von Arte wiedergibt. Felix Kubin wird die Folgen charmant und eloquent wie immer kommentieren und alle Register auf der Gefühlsorgel des Publikums ziehen.

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Felix Kubin, geb. 1969 in Hamburg, lebt als Musiker und Komponist in Hamburg. Seine Schwerpunkte sind experimentelle und futuristische Popmusik sowie elektroakustische Musik. Er produziert Hörspiele (u.a. WDR, ORF, DeutschlandRadio), Film- und Theatermusik (Volksbühne Berlin, Ruhrtriennale Essen), Kurzfilme, und war als Kurator bei verschiedenen Festivals tätig (ArtGenda 2002, Hamburg; Plopp!, Berlin; Nuits Blanche, Paris).
Literarische Beiträge in Büchern und Zeitschriften.
1998 gründete er sein eigenes Plattenlabel "Gagarin Records".
Es folgten Konzertreisen durch Europa, Japan und Kanada, sowie zahlreiche Tonträgerveröffentlichungen.
2004 entwickelte Kubin die Idee für den deutsch-polnischen Kunstradiosender RADIO COPERNICUS. Im Frühjahr 2005 komponierte er zusammen mit dem ensemble Intégrales eine elektronische Komposition für das mediale Musiktheaterstück "Imitation of Life" an der Hamburger Opera Stabile.

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