03.02.2004

American Beauties

US-Shows der 50er und 60er

Fernsehmuseum: Anfänge: Shows

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In den 60er Jahren entwickelte das Fernsehen Selbstbewusstsein: Durch die aufkommende Konservierung für die Nachwelt mittels Magnetband wurden sich Macher und ihre Sendungen der Zeitlichkeit bewusst. Mitschnitte auf dem teuren Filmmaterial waren davor die absolute Ausnahme gewesen. Das Fernsehen wurde damals als eine flüchtige Sache, eine Laune des Moments begriffen. Genau dieser Haltung und Zeit widmet sich die TV-Miniserie On the Air von David Lynch und Mark Frost. In burlesk-surrealer Überzeichnung zeigt diese Serie den Wahnsinn des wahren Live-Fernsehens, das nur in dem Augenblick seiner Ausstrahlung existiert. In einem abgeschlossenen Studio ohne Publikum wurden Handlungen einstudiert, die im entscheidenden Moment störungsfrei "auf Sendung" sein mussten. In Lynchs Studio sorgen allerdings alle Beteiligten dafür, dass die Ätherwellen die Botschaft vom absoluten Chaos in die Welt tragen. Leider die bisher letzte Zusammenarbeit von Lynch und Frost, aber ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten aus Twin Peaks und somit ein Spaß für die ganze Familie.

Um zu zeigen, was wirklich in jenen Tagen über die Bildschirme flimmerte, kontrapunktiert das Fernsehmuseum On the Air mit The Dick van Dyke Show und The Beverly Hillbillies (jeweils im Original). Dick van Dyke, der heute noch als Dr. Mark Sloan in Diagnose: Mord die deutsche Fernsehlandschaft obduziert, hatte mit seiner Serie einen Markstein der TV-Comedy abgeliefert. Er spielt darin den Headwriter der fiktiven Comedy-Serie „The Alan Brady Show“. An seiner Seite steht die unvergleichliche Mary Tyler Moore, die uns in den 70ern mit The Mary Tyler Moore Show eine der schönsten Sitcoms der Welt beschert hat. (Nebenbei bemerkt bekam ihr Chef, Lou Grant, danach eine eigene Show geschenkt, die einen ganz schlichten Namen trug - Lou Grant, da dürfte es bei einigen Connaisseuren klingeln.) Die Beverly Hillbillies sind ein anderes Urgestein der Schenkelklopferei. Hier dreht sich alles um eine Familie von hinterwäldlerischen Asos, die durch einen zufälligen Ölfund zu Geld kommen und vier Jahre lang mit ihrer ruralen Rauheit das schnieke Beverly Hills aufmischen dürfen.