06.04.2004

Lost in Space

Wo sich Zukunft und Vergangenheit Gute Nacht sagen

Fernsehmuseum: Serie: Weltraum

lost

Wenn es darum geht, ein Bild der Zukunft zu zeichnen, läuft das Fernsehen zur Höchstform auf. In den Disziplinen Holzschnitt, Kartoffeldruck und Wachsmalkratzerei treten Verschollen zwischen fremden Welten, Futurama und eine Reportage über die Arbeitswelt im Jahr 2000 um den Pokal der wahnwitzigsten Vision gegeneinander an.

Von 1965 bis 1968 ist eine amerikanische Familie plus bösem Onkel und Superroboter in einer Ultrazukunft Verschollen zwischen fremden Welten (Lost in Space). Man sitzt irgendwo im Weltall fest und unternimmt von dort verzweifelte Versuche, wieder zur guten alten Mutter Erde zurückzukommen. Apropos Mutter: Selbige, dargestellt von June Lockhart, konnte nach sieben Jahren Lassie auch im luftleeren Raum schauspielern. Eine Laune der Natur, die es Erfinder und Regisseur Irwin Allen (auch Schöpfer vom Time Tunnel) ermöglichte, diesen Meilenstein des Sci-Fi-TV ganz klar am Rande der Unendlichkeit zu platzieren.

In den Siebzigern startete ein deutscher TV-Sender eine mehrteilige Reihe, die sich mit dem Jahr 2000 befasste. Besonders interessant ist die letzte Folge der Reihe, die - wissenschaftlich fundiert - bildlich in Szene gesetzte Prognosen über unsere heutigen Lebensbedingungen darbietet. Aber kein Grund zum Hohne! Die Autoren nahmen für sich ebenso wenig an - wie es unsereiner jetzt für sich tut - sie würden heute sabbernd und an Handläufen fingernd über klinische Flure tattern, immer zu auf die chimärenhafte Fensterspiegelung im polierten Linoleum am Ende.

Dann doch lieber ganz fern in die Zukunft und zurückgeblickt auf die sichere Vergangenheit, die unsere Gegenwart ist - eben alles eine Frage des Standpunkts. In Futurama fallen Aliens auf der Erde ein, weil die Übertragung der letzen Folge ihrer Lieblingsserie unterbrochen wurde. Sie guckten Fernsehen, das seit 1000 Jahren von der Erde durchs All zu ihnen unterwegs war. Natürlich hatte Fry die Sendepanne damals im Jahr 2000 verbockt. Und nun muss er diese letzte Folge der Ally McBeal-Parodie mit Bender und dem Rest der Mannschaft nachstellen, damit die Erde nicht vernichtet wird. Was für ein Plot!