04.02.2005

Horror Show

Jörg Kachelmanns Fangschuss für EWG

Fernsehmuseum: Show

sniff

Die flauschige Wohlfühlschlappen der großen Samstagabendshow passt heute an kaum noch einen eingeschlafenen Fuß! Daher möchte das Fernsehmuseum in Erinnerung rufen, wie sich das damals anfühlte - als er noch richtig passte. Und um die Schrauben an diesem Spanischen Stiefel des Gute-Laune-Fernsehens richtig stramm zu ziehen, greifen wir zu einer Pilotfolge des Revivals eines „großen Spielshow-Klassikers“ der späten 90er Jahre, die es nie auf ihren eigentlichen Sendeplatz schaffte. Jörg Kachelmann sollte das Erbe des großen Kuli antreten. Doch zu groß die Pannen, zu peinlich der Moderator, zu verquer das Konzept. Fernsehen weit oberhalb der Schmerzgrenze – das fanden auch die Verantwortlichen im HR und ließen das Band im Giftschrank verschwinden. Jedenfalls bis zu dem Tag, als eine Kopie davon ohne Absender im reproducts-Briefkasten landete. Ein tragischer Abgesang auf eine längst vergangene Form, die Einäscherung, Leichenschändung und Grabmal für das Werk der großen Showmaster auf einen Streich ist. So gesehen eine beachtliche Leistung und damit wert, den Kristallisationspunkt für eine soziale Plastik der besonderen Art zu bilden.

Die zugehörige Abbildung zeigt den Showmaster in der Pilotsendung der Wiederbelebung von Kulis Showklassiker EWG. Mit dem Schnuppern in seinen Schuhen wollte er zur Begrüßung des Publikums öffentlich prüfen, ob noch etwas von seinem großen Vorgänger in den Stapfern zu riechen sei, in die er nun treten wollte.

Es sollte ein Witz sein, um das Eis zu brechen - doch da war das Titanic-Tretboot schon unaufhaltsam im Sinken begriffen. Ein Dinosaurier der TV-Unterhaltung, der noch einmal alle Register zieht, als wäre es immer noch 1975 - gnadenlos an jeder Fernsehrealität von 1999 vorbeiproduziert. Und ein seltenes Lehrstück, was passiert, wenn der Stress sämtliche Türen des Unterbewusstseins öffnet und Dinge gesagt werden, die eigentlich nicht in der Kuschelzone der Samstagabendshow erwünscht sind. Wie zum Beispiel Kachelmanns Kommentar zu dem aufwändig gestalteten Requisiten-Spiel „Briefmarkenporträts von berühmten Persönlichkeiten den Ländern zuordnen“: „Ich dachte, nur tote Präsidenten darf man von hinten lecken?!"