03.02.2006

Stefan Niggemeier, das wandelnde Lexikon

Der Medienjournalist liest aus seinem Fernsehlexikon

Fernsehmuseum: Gaststars
Feierstunde zur Veröffentlichung mit einem der Autoren

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Stefan Niggemeier meinte nach der Lesung,
dass ihn die Vorhänge in der Z-Bar sehr an Twin Peaks erinnern …

Stefan Niggemeier, Blogger und Medienredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hat zusammen mit dem Journalisten und SWR3-Moderator Michael Reufsteck das Unmögliche gewagt - und geschafft! Nach sechs Jahren akribischer Arbeit liegt nun seit Ende 2005 Das Fernsehlexikon vor und schildert en détail, was seit Anbeginn der BRD- und DDR-Flimmerei über die Mattscheibe gelaufen ist. Serien und Shows, Magazine und Dokumentationen, Nachrichten und Talkshows - fast alles, was mindestens drei Ausgaben hatte oder hätte haben sollen ist mit den wichtigsten Produktionsdaten, einer kurzen Inhaltsangabe, Hintergründen und Anekdoten aufgelistet. Ein Standardwerk für jeden Haushalt!

Zwischenruf, Mai 2016
Das bis heute, 2016, keine neue, aktualisierte Auflage erhalten hat. Wir müssen den Autoren dankbar sein, dass sie sich diesem Unterfangen gewidmet haben, bevor man damit schnurstracks und ganz natürlich in die Immaterialität des Internet gegangen wäre (wo es dankenswerter Weise jetzt noch sein Schattendasein führen darf). So bleibt uns heute ein kiloschweres Mahnmal, das schweigend daran erinnert, wie wenig kulturelle Weihe das Fernsehen bis heute in Deutschland erfahren hat. Wie wenig über Fernsehen auf einem Level diskutiert wird, dass man sich in der Auseinandersetzung tunlichst eines Lexikons bediente, um fundiert zu argumentieren und historisch tragfähige Schlüsse zu ziehen. Aber die deutsches Form, so scheint es, mag sich nicht vom Stammtischschiedsrichtertum lösen.

Das reproducts-Fernsehmuseum serviert einige Kostproben aus diesem lexikalischen Wunderwerk der Aktenwühlerei - die verwegensten Plots, die Todesarten der Lindenstraßen-Bewohner, das Geheimnis der Länderpunkte und die Jugendsünden von Jürgen Fliege - gelesen vom Autor selbst. Die Texte werden mit bezaubernden, berückenden, aber auch verstörenden Video-Schlaglichtern aus dem reproducts-Archiv garniert: »Die schlimmste Familientragödie bei Vera«, »Die Psycho-Polizei der Freitagabendkommissare», »Schizo in der Schwarzwaldklinik«, »Todesboten und Todestrinker«, »Kachelmanns Anafixierung« oder »English 4 U« und andere Juwelen gewähren einen tiefen Blick in diese fremde und seltsame Welt unter unseren Fernbedienungsdaumen.

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