07.12.2007

Unerhörtes Musikfernsehen

MTV als Fernsehlabor der Zukunft

Fernsehmuseum: Erinnerungen an das gute TV

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Klar, kein Mensch guckt MTV. Das stimmt zwar nicht, denn die Quoten von MTV steigen, aber kein Mensch, der noch ein Restgehirn hat, guckt MTV. An Gehirn prallt dieses Fernsehen, vor dem uns Marcuse und Adorno (und ja, natürlich, auch Horkheimer!) immer gewarnt haben, ab. Das ist wie bei Futurama, wo die Gehirne die Weltherrschaft übernehmen wollen, und nur Fry mit seiner Flatliner-Hirnstromkurve sie stoppen kann. Also eigentlich ist es genau umgekehrt. Aber egal. Zwischen den kleinbürgerlichen Terrorshows wie Room Raiders oder Parental Control, den minimalen Musikeinspielungen aufgrund von Werbeverträgen und der Dauerklingeltonwerbung gibt es ein Format, mit dem man einfach nicht rechnet: Drawn Together

Überhaupt scheint bei MTV eine Zeichentrick-/Comedy-Unit am Werk zu sein, deren Ziel es ist, den sonstigen Horror des Fernsehens aufs Erfrischendste zu karikieren. Drawn Together ist eine Reality-Kafkaeske gone wild. 8 Figuren leben in einem Big-Brother-Haus zusammen und werden von 1 Million Kameras beobachtet. Ihre Vorbilder rekrutieren sich aus der Comic-/Zeichentrick-/Videogame-Geschichte. Sie treten an zu einer Tour de Force durch alle möglichen Formate und Inkunabeln der Popkultur. Vom Bachelor bis Les Miserables ist alles dabei.

Das Fernsehmuseum kann nicht zulassen, dass diese geniale Serie, die zudem auch noch in der Synchronisation besser ist als die Vorlage, in so einer Abseite des schlechten Fernsehens verkommt. Und natürlich auch, weil wir sonst viele Jahre warten müssten, bis wir Drawn Together zeigen könnten. Die vielen Anspielungen und Zitate auf aktuelle TV-Formate macht die Serie alles andere als zeitlos. Die müsste erst ganz schön Patina ansetzen – und wir wollen doch jetzt lachen!

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