04.04.2008

LSD – geht eine Droge in Rente?

Das Fernsehmuseum zum 65. Geburtstag von Lysergsäurediethylamid

Fernsehmuseum: Dokumentationen

Um die Antwort gleich einmal vorweg: Keineswegs klappt dieses Molekül seine Kohlenstoffringe zusammen wie einen alten Liegestuhl – im Gegenteil, die richtige Karriere als Stressless-Sessel für ungeahntes Kopfkino bahnt sich jetzt erst richtig an! Denn darf man den Aussagen seines Entdeckers, dem Schweizer Chemiegenie Albert Hofmann, Glauben schenken, steht uns das große Zeitalter der psychoaktiven Bewusstseinserweiterung erst noch bevor. Ein bisschen davon ahnte Hofmann wohl bereits am 16. April 1943, als er auf seinem Fahrrad vom Labor nach Hause abfuhr – und gleichzeitig in seinem Gehirn und seiner Seele und seinem Herz das LSD einfuhr. Die Erfindung des Rades für das Denken.

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Um sich dem Phänomen in gebührendem Respekt zu nähern, zeigt die Soziale Plastik des Fernsehmuseums zunächst ein Interview mit Albert Hofmann, das er zu seinem 100. Geburtstag über sein Leben nach der Geburt seines Wunder- und Sorgenkindes gegeben hat.

Um tiefer in die Materie einzudringen, feuern wir die alte und meistenteils arg ideologische Diskussion um Natur- versus Synthetikdrogen neu an. Immerhin handelt es sich bei LSD im Grunde um eine aus einem Pilz gewonnene Verbindung, genauer gesagt dem Mutterkorn des zur Gattung der Schlauchpilze zählenden Claviceps purpurea. Eine Dokumentation über Schleimpilze veranschaulicht in nie gezeigten Bildern, wozu Pilze sonst noch so in der Lage sind. Wertvolle Nebenwirkung: Ein Blick in den bizarren Alltag der Zwitterwesen aus Pflanze und Tier relativiert erheblich, was das niedliche Humanoidengehirn an hohen Festtagen so an Mischmasch zusammenhalluziniert.

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Und natürlich wollen wir auch den warnenden Zeigefinger heben. Nicht abzusehen sind die Folgen, wenn LSD unbedacht und überdosiert verabreicht wird. Die Versuche an Soldaten in den 50er Jahren sind hinlänglich bekannt. Kaum jemand dagegen weiß, dass in den 80er Jahren das Kulturdezernat des ZK der SED in Adlershof das Dauerzwangstrippen angeordnet hatte – Mikros als Analdepot. Ganze Teams am Set und auch davor wie danach auf Pille! In dieser Atmosphäre sind Serien wie Neumanns Geschichten entstanden. Und weil die so stark sind, gibt’s davon auch nur eine halbe Folge.

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Wenn die Teilnehmer dann noch aufnahmefähig sind, gibt es auch ein Zeugnis bedächtiger, wohldosierter Anwendung wie bei den Autoren von Futurama, als sie »Der göttliche Bender« geschrieben haben.