05.06.2009

Das Doku-Drama

Dokumentationen des Niedergangs

Fernsehmuseum: Dokus

qualle

Das ganze Leben mag ein Quiz sein, aber mit Sicherheit ist nicht das ganze Fernsehen eine Show. Nein, es quillt auch noch anderes aus dem magischen Auge – zum Beispiel Dokumentationen. Anhand zweier Arbeiten des TV-Dokumentaristen Florian Guthknecht zeichnet die Soziale Plastik des Fernsehmuseums den allzu typischen Niedergang eines ehedem viel versprechenden Talents nach, das sich nach einem viel versprechenden Anfang im guten, alten BR zum Unterwasserfilm-Bückling absoff.

Die erste Sendung aus dem Jahr 1999 begibt sich auf Spurensuche in Bayern und beschäftigt sich mit der menschenalten Faszination an Ritualen. Eine materialreiche Sendung, die fragt, welche Rituale es gibt, wo ihre Ähnlichkeiten legen, was sie bedeuten und wozu wir sie brauchen. Eine Sendung, die Informationen sammelt und damit Fragen aufwirft, ohne eine einzelne, umfassende Antwort auf alles parat zu haben, und die damit das Beste erreicht, was das Fernsehen erreichen kann: Anregungen zum Nachdenken geben. Das Ganze hervorragend gefilmt und geschnitten, mit einem ruhigen, seriösen Kommentar versehen. Ja, im letzten Jahrtausend gab es so was noch öfter. Aber es brauchte ja auch nur sieben Jahre, um aus dem Zauberlehrling der Neugier einen Folterknecht der Phantasie zu machen. Der Dokumentarist hat, wie seine TV-Vita zeigt, offensichtlich eine große Affinität zum Wasser. Welch ein Glück, dass sich nun das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lässt, wenn es auf die Suche geht in ein Tauchparadies, wo sich die tödlichsten Tiere der Welt tummeln. Böse, gemeine Quallen! Emo-Trash der Extraklasse, das muss man dem Mann immerhin zugestehen. Und ganz up to date, denn die Doku ist gespickt mit superschlauen Meeresfachleuten und Horrorexperten, deren Untersuchungen und schockierend-alarmierende Ergebnisse – ganz im Trend! – ständig mit den waghalsigen Aktionen eines Crocodile Dundee der Quallen quergeschnitten werden. Das ist Spannung pur, da unterbleibt der Wegzapp-Reflex, da muss man dranbleiben, auch wenn man schon zwischen 14 bis 49 Jahre tot im Sessel sitzt und RTL guckt. Also wenn das kein Nesselfieber auslöst …