22.01.2011

Fernsehen Über Fernsehen Über Alles, Vol. I

Charlie Brooker

Fernsehmuseum: Erinnerungen an das Gute TV

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Über ein Jahr ist es her, dass einige Mitarbeiter von Abteilung DG und dem reproducts Fernsehmuseum an ihren Wohnarbeitsplätzen in eine Art Wachkoma verfielen. Dabei lief nicht – wie bei wirklich Toten traditionell üblich – das ZDF in der Kiste. Nein, die zugegebenermaßen recht antennenfixierten Mitarbeiter hatten schlicht vergessen, dass die terrestrische Ausstrahlung des Fernsehens in ihrem Sendegebiet beendet wurde.

Doch kabellos und ohne die lebensspende Kraft bunter Röntgenstrahlung oder irisierender Plasmafelder verfallen diese armen Gehirne in Katatonie und die Körperfunktionen gehen wie bei Kaltblütern im Winter auf praktisch null zurück. Mehrere Stunden vergingen damals, bis die Opfer entdeckt wurden, doch eine sofort eingeleitete Wiederbelebung mit aktuellem DVBT-Programm öffentlich-rechtlicher wie privater Sender und auch alten Archivaufnahmen blieb völlig erfolglos. Erst ein britischer Wissenschaftler brachte zu einem internen Seminar einige hierzulande weder zugelassene noch bisher erprobte Formate mit und konfrontierte unser Mitarbeiter-Gemüse mit diesem Material. Innerhalb weniger Sekunden kehrte dank der Londoner Erfindungen das Leben in die toten Augen zurück!

Jetzt – wo in der letzten großen kulturellen Gemeinschaftsveranstaltung der Generationen-Vertrag endgültig aufgekündigt worden ist, indem ein Vater seinen Sohn auf eine Wette hin zum Krüppel gefahren hat – muss dringender denn je daran erinnert werden, dass dieses Massenmedium auch zu guten Dingen taugt.

Das reproducts-Fernsehmuseum wird nun daran erinnern – mit Beispielen aus dem Schaffen eines der wichtigsten Fernsehmacher Nordeuropas in dieser Zeit (neben Adam Curtis): Charlie Brooker.

Wir werden sehen!