Freund Heim

Aus der Reihe: Das Ewige Rätsel der Woche

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Diese Postkarte wurde uns unter der Notausgangstür der mit Debolon ausgelegten reproducts-Archiv-Verwaltungszentrale durchgeschoben

Man könnte lange sinnieren über diese scheinbar unscheinbare Postkarte, aber machen wir es kurz: Wir werden nie erfahren, wie genau das zu verstehen gewesen sein sollte. War dieser Gebäudekomplex errichtet worden, um vielleicht etwas ganz anderem Herberge zu bieten, ja vielleicht sogar dem Gegenteil von Freundschaft, wie die Anführungszeichen androhen? Oder war dies sowieso gar kein Ort für Menschen, sondern sollte der Freundschaft – ganz platonisch als reale Idee gesehen – der Erholung von ebendiesen Menschen dienen, die sie so oft anrufen und dennoch aufs Übelste missbrauchen?

Die Detailbetrachtung der Bilder legt letztere Deutung nahe:

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Zwei Ansichten der großzügigen Empfangshalle des Erholungsheims – vollkommen menschenleer.

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Auch der Klubraum geriert sich wie für Menschen gemacht – ohne einem von ihnen eine Heimstatt zu bieten.

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Enthüllt vielleicht erst eine Vergößerung der Front des Eingangs zu dem Heim die ganze Tragödie? Ein einzelner Mensch, von dem weder Gesicht noch Alter noch Geschlecht zu erkennen sind, steht namenlos vor Tür, eingefrorenen in der Zeit, verdammt stillzustehen und nie hineinzukommen.

Oder ist es vielleicht doch alles nur Ergebnis einer antiquierten Aufnahmetechnik? Belichtungszeiten von Sekunden, ja Minuten oder Stunden – sodass sich all die dort Anwesenden und in Freundschaft sich Erholenden durch ihre lebendige Beweglichkeit dem fotografischen Bann entzogen?

Dafür sprächen die milchigen Schleier, die über diesen Räumen liegen, und die Tatsache, dass nur auf der Außenaufnahme – bei einer dann deutlich kürzeren Belichtungszeit – doch ein Mensch zu sehen ist.

Wer weiß …