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02.07.2012

Das letzte Stück DDR

Österreichisches TV: Der Blick auf die Welt mit Opernglas

Fernsehmuseum: Fremde Welten

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Der einstmals stramme Zapp-Daumen schwengelt von galoppierender Atrophie völlig erschlafft an der Hand. Es gibt ja auch keinen Grund zum Zappen, wenn das Gerät eh nicht mehr eingeschaltet wird. Und für einen der ganz wenigen Restfetzen von interessantem Fernsehen gibt es zum Glück Timer in den digitalen Aufzeichnungsgeräten, EPGs und bestimmt über 2.000 Apps, die dafür sorgen, dass diese wenigen Sendungen nicht ungesehen ins Weltall rausstrahlen.

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01.12.2006

Hoch lebe die AKTUELLE KAMERA!

… denn fiktionale Neuigkeiten haben kein Verfallsdatum!

Fernsehmuseum: Fremde Welten

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Nahe der innerdeutschen Grenze zu wohnen, war der Zauberschlüssel, um in einen Zustand zu gelangen, der heute nur durch lange Meditation oder Instant-Nirwana-Medikamente erreichbar ist. Dort zu wohnen bedeutete, dass man mit einem kleinen Daumendruck auf der TV-Fernbedienung zwischen zwei televisionären Parallelwelten hin- und herschalten konnte. Ein heute fast unvorstellbarer Luxus, der seine Genießer auf ewig für die fade, braune Bettelsuppe des herrschenden Fernseheinerleis verderben sollte. Um den Besuchern der Sozialen Plastik des Fernsehmuseums eine vage Idee von der bewusstseinsverändernden Wirkung besonders der Arbeiter-und-Bauern- Sphärenschätze zu geben, die da über den Todesstreifen in den Westen waberten, zeigen wir ausgewählte Stücke aus dem DDR-Fernsehen:

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03.04.2001

Mach mit, mach's nach, mach's besser

Ein Klassiker des DDR-Kinderfernsehens

Fernsehmuseum: Show: Kinderfernsehen

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Der Sonntagvormittag gehörte Addi und seinen Kumpanen – den Schülern polytechnischer Schulen der klassenlosen Gesellschaft – die sich hier klassenweise zum Messen ihrer Kräfte trafen. Mach mit, mach's nach, mach's besser war ihr Motto, das nach der Wende bald niemand mehr in den Mund nahm. Das Fernsehmuseum zeigt eine der letzten Ausgaben dieses Turnbeutel-Klassikers, die wie Magnesiumkalk auf der Zunge liegt. In einem verzweifelten Versuch, die Wiedervereinigung auch in den Turnhallen nachzuspielen, kam es zum Wettkampf zwischen Grevesmühlen und Bad Segeberg. Dass da der Chefindianer der DDR nicht fehlen darf – Gojko Mitic – ist selbstverständlich.

Von Knisterpolyester-Adi wollen wir hier lieber gar nicht reden…

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Im Anschluss nach diesem unerlaubten Barren der Zuschauer gibt die Kinder-Phantasie-Anregungssendung Wie wär's Tipps, wie man sozialistische Fotos macht.

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FM: DDR: »Spalier der Lebensfreude«

1999
Das Fernsehmuseum als Soziale Plastik im Lichtmesz-Kino, Hamburg

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Zum Gedenken an den zehnten Jahrestag des Verschwindens eines ganzen Landes und seiner Fernsehkultur veranstaltet die Gruppe eine Feierstunde im Lichtmesz-Kino, Hamburg, unter dem Titel: »Das Spalier der Lebensfreude«*. Am 3. Oktober 1999 werden nach dem kollektiven Anschauen der 1.-Mai-Parade von 1989 die wertvollsten Mitschnitte aus dem reproducts-Archiv dem Publikum vorgestellt. Darunter diverse Folgen der Aktuellen Kamera, der Nudelkochkurs der Kindersendung Wie wär's, Mach mit, mach's nach, mach's besser und selbstverständlich der Klassiker English For You mit den Folgen »Preparing a Demonstration« und »Karl Marx in London«.

*der TV-Kommentator von DDR 1 über die 1.-Mai-Parade in Ostberlin angesichts der über die Karl-Marx-Allee strömenden Massen der Werktätigen

Der lange Marsch / I wie Ikarus

1997
Video, 3 bzw. 14 Minuten

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Der lange Marsch, Klaus Bosseck
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I wie Ikarus, Frank Rudek
Nur der tiefe Glaube an die Möglichkeit des Unmöglichen kann einen
Menschen veranlassen, bei Windstille einen Drachen steigen zu lassen

Im Jahr 1997 bricht eine neue Ära an: Das Stichwort heißt „Diversifikation“. Die Materialflut reißt nicht ab und das Archiv platzt aus allen Nähten. reproducts erlaubt von nun an ausgewählten Personen, das Archiv zu nutzen und eigene Produkte zu fertigen. Zwei Früchte dieser Öffnung sind der strukturelle Kurzfilm des jungen Fernstudenten Klaus Bosseck aus Bitterfeld mit dem Titel »Der lange Marsch« und das Musikvideo »I wie Ikarus« von Frank Rudek, Regieassistent aus Fürstenfeldbruck.

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Vorwärts, freie deutsche Jugend

1996
Video, 4 Minuten
Regie: Guido S. Weihermüller
Kamera/Licht: Hilmar Mehnert
Schnitt: Jochen Carl Müller
Buch: Falk Klennert aka Felix Kubin

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Sag mir, wo Du stehst!

Im Sommer 1996 hofft die Liedertafel Margot Honecker mit der Erstellung eines professionellen Musikvideos, einen Wundbrand am Hirnstumpf westlicher Popmusik auszulösen. Mitglieder von reproducts bekunden ihre Solidarität mit diesem Vorhaben, indem sie als Darsteller in dem Clip »Vowärts, Freie Deutsche Jugend!« auftreten.

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1994
Schwarzweiß-Video, 13 Minuten
Darsteller: Haley Newman als Anne
Judith Cole als Teacher
Barbara Thumm als Dr. Krüger
James Pfaff als Passenger u.a

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„Die Umwandlung eines Aussagesatzes in einen Fragesatz
geschieht durch die Umstellung von Verb und Subjekt.‟

Fast 30 Jahre lief täglich eine der 51 Folgen des TV-Kurses English For You im Fernsehen der DDR. 1995 - 6 Jahre nach dem Fall der Mauer - produzierte reproducts die 52. und letzte Folge der Kultserie, die den Menschen die Worte für das stets Vermiedene lehrt:

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