Wessifizierung durch Fernsehen

TV-Lektionen für eine Gesellschaftstransformation
Teil 1: Ratgebersendungen

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 3. Juni 2019, 20 Uhr

30 Jahre „Wende“ – eine Generation ist vergangen … Die Soziale Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE nimmt dies als Anlass für eine Reise zurück zu den Anfängen, als gewiefte Marktwirtschaftshasardeure den passiven Planwirtschaftsaktivisten gezeigt haben, woher der Wind weht. Aber wie sollten die armen, unerfahrenen Zonis da ahnen, dass sie sich mit der D-Mark neben Echtpelzkrägen, Autos und Fernreisen auch jede Menge Ärger, Müll und menschliche Niedertracht einhandeln?! Tutorials auf YouTube gab es noch nicht – und so schlug noch einmal die Stunde des Fernsehens, das die Neu-Bundesbürger an die Hand nahm, ihnen zeigte, wie man Kiwis richtig isst, warum man aufpassen muss bei Unterzeichnung von Verträgen und wie man sich am Strand richtig anzieht. Oder das magische Auge erzählte zum Einschlafen über den Kreditraten-Plänen wundervolle Märchen – zum Beispiel wie ein Ossi sogar mal eine West-Fernsehshow leiten darf! Pures Fernsehgold! Und genau das wird die Soziale Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE in den nächsten Sitzungen wieder funkeln lassen …

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Fuzzy Dark Spot

reproducts in der Ausstellung Hamburger Videokunst in der Sammlung Falckenberg

Ausstellung vom 13. April bis zum 3. November 2019
kuratiert von Wolfgang Oelze

Bei dieser umfassenden Schau des viedokünstlerischen Schaffens in Hamburg in den letzten 40 Jahren ist reproducts vertreten mit dem Video »XY – Die Dinge«.

(1997/2019, Länge 7'00'', HD-Digitalvideo von VHS PAL, 16:9 (4:3 pillarboxed), Farbe)

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Horror Show

Der Fangschuss für EWG

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 1. April 2019, 20 Uhr

Jörg Kachelmann ist eine streitbare Figur – unbestritten ist, dass er den höchsten Respekt verdient für sein Durchhaltevermögen, das er in der Rettung seines guten Namens bewiesen hat. Und seit 2019 moderiert er sogar wieder bei Riverboat mit! Anlass genug, noch einmal genauer ins Archiv zu schauen. Und dann wird klar: All diese Anstrengungen in Gerichtssälen und Medien aller Art machen nicht ungeschehen, was damals – im Jahre 1999 – passiert ist. Kurz vor der Jahrtausendwende und der Implosion aller Windows-Rechner im Sender wollte der Hessische Rundfunkt die „große Samstagabend-Show“ wiederbeleben, hatte dazu jedoch fatalerweise einen Rettungssanitäter mit dem schwarzen Daumen bestellt: JBK ohne „B“. Eben jener Jörg Kachelmann, der vor allem als Wetteransager bekannte Moderator, sollte die Über-Show des Über-Showmaster Kulenkampff Einer Wird Gewinnen relaunchen. Dazu trommelte der HR offenbar das längst verrentete Team aus den 60ern zusammen, um eine Spielshow zu inszenieren, wie man sie noch nie gesehen hatte. Das wurde dann allerdings eine Show, die niemals jemand sehen sollte. Eine solche Kaskade an Peinlichkeiten und Obszönitäten war eigentlich nicht sendefähig und verschwand sofort im Giftschrank. Doch irgendwie landete eine VHS-Kopie ohne Absender im reproducts-Briefkasten. Wir betrachten das als Bildungsauftrag für eine Soziale Plastik der Sonderklasse im Rahmen des Fernsehfriedhof.de.

Wir fordern aber die Teilnehmer der Sozialen Plastik schon jetzt auf – nicht wie Kachelmann damals nach der haltlos überzogenen Sendung das Studiopublikum, doch bitte in die Blumenrabatten des Sendergeländes zu urinieren – NICHT in das Blumenbeet vor der Z-Bar zu pullern. Danke.

Mysteriöser Archiv-Fund: »Stumpfglanz«

Mashup unbekannter Provenienz auf Basis von »Phantomschmerz«

ca. 1999
Video, PAL, 3 Minuten, Pillarboxed-Kopie

BITTE MELDE DICH! - rufen auch wir dem uns unbekannten Verfasser dieser Arbeit zu. Soeben im Archiv entdeckt und wahrscheinlich ein Ergebnis einer unserer Seminare an verschiedenen Unis und Hochschulen. Die Arbeit basiert eindeutig auf »Phantomschmerz« von reproducts (PAL, 1995, 17 min), wer jedoch dieses Mashup der zweiten Potenz geschnitten hat ... keine Ahnung! Falls hier jemand jemandes Handschrift wiedererkennt: BITTE MELDE DICH! bei reproducts ...

No Brexit From Laughter

Die einzigartige Comedy der Julia Davis

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 4. Februar 2019, 20 Uhr

Die Comedy-Szene der britischen Inseln, im Video wie auf der Bühne, ist legendär. Jedem wird sofort Monthy Python einfallen, dem (etwas) jüngeren Publikum eventuell noch Little Britain und ein paar ganz verrückten Lachsüchtigen sogar The League of Gentlemen. Aber heute wird die Soziale Plastik des Fernsehfriedhof.de demonstrieren, dass es jenseits von Jennifer Saunders oder Margaret Rutherford noch eine andere ganz große Frau gibt: die seit 1994 über die Insel irrlichternde Julia Davis. Es wundert nicht, dass Davis zunächst in Zusammenhang mit einem Chris Morris oder einem Charlie Brooker auftaucht, um in die auch dort von Männern dominierte Welt vorzudringen. Schließlich hatte sie auch das Praktikum in „Schwarzer Humor“ mit besonderem Sarkasmus absolviert, in der mündlichen Prüfung jede Hemmschwelle ignoriert sich bald in der Abteilung „Witze für Fortgeschrittene“ unentbehrlich gemacht. Dort übernimmt sie mit der berühmt-berüchtigten Serie Nighty Night die Leitung dieser Abteilung – ggf. auch ohne jeden Lacher. Überhaupt ist das mit dem „normalen“ Lacher bei der Frau Davis so eine Sache. Ihre punktgenauen Tiefschläge lähmen leicht jeden Reflex des Zwerchfells und die nach Luft gierenden Lungen füllen sich nach innen mit Tränen. Dem rasanten Aufstieg steht das aber nicht im Wege. Seit 2016 macht Julia Davis (beinahe) alles allein – in Personalunion aus Creator, Writer, Director und Leading Woman. Zunächst für die Mini-Serie Camping und in 2018 für Sally4Ever. Aber wer – außer Julia Davis – sollte das auch sonst machen?!

¡ABRAKADABRA!

von Trash-TV zu Fernsehgold
… eine wundersame Verwandlung

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 7. Januar 2019, 20 Uhr

Es war ein einmal … im Jahr 2017, da lief eine „neue“ Krimiserie an, bei der man wieder einmal herzzerreißendes Mitleid mit den Fernsehschaffenden in Deutschland bekommen konnte. X-mal hatte man das schon gesehen, diese bemühte Mischung aus Monk und Dr. House und Sherlock und ihrem Vorfahren Fitz – diesen … nennen wir ihn hier mal „Professor D“. Ein frankensteinsches Ermittler-Monster in Miniaturausgabe, dem leider nur jeder lebendig-kreative Funke fehlte. Pure Sendezeitverschwendung und nicht einmal der namenlosen Urnenfeld-Bestattung auf dem Fernsehfriedhof.de würdig. Doch dann passiert etwas Unglaubliches! Der Autor der Serie wird gewechselt und plötzlich wird dieses Abziehbild eine dreidimensionale Figur mit glaubhafter Tiefe. Und obendrein bewahrheitet sich wieder einmal der Satz, dass jede Kette so stark ist wie ihr schwächstes Glied. So wirkt die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers auf einmal wieder, wie von ihm gewohnt – als Sidekick von Pastewka oder Engelke: grandios. Die Idee ist endlich eine Figur geworden. Genauso erstaunlich wandelt sich deren Umgebung: Kamera, Schnitt, Musik-Einsatz sind nun von mitunter epischer Wucht. Alle Beteiligten sind mit den neuen Büchern immens gewachsen. Lange nicht gesehen im deutschen TV! Diese Macht der Autoren kann man nicht oft genug betonen. Hier werden die Weichen gestellt. Die Soziale Plastik des Fernsehfriedhof.de lädt daher ein, Zeuge zu werden, wie im Jahr 2018 ein Alchemistentraum wahr wurde. Und das soll uns ein goldenes Menetekel für das Fernsehjahr 2019 sein!

Krëëpy Ëastgërman Pïkturës

DDR-Darstellungen im englischsprachigen TV

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 3. Dezember 2018, 20 Uhr

Bei Mission Impossible bzw. Kobra, übernehmen Sie! – Kult-Klassiker der späten 60er und Vorlage für die Kinofilme – genügte es, dass an den Wänden des vorgeblichen Ostberlins Schilder mit möglichst vielen Ks, Ös, Üs und Äs auftauchen, um dem polyglotten amerikanischen Zuschauer sofort zu signalisieren, dass wir uns in Deutschland befinden. Das hart wie Hacken knallende K und die Umlaute liegen im englischsprachigen Raum bis heute auf dem gleichen hohen Klischee-Level wie das Konterfei Hitlers oder bajuwarische Beinkleider an zipfelmützigen Bierkrugstemmern. Soooo German! Weil das sehr lustig anzuschauen ist, zeigt die Soziale Plastik des Fernsehfriedhofs einen dieser Ausflüge hinter den Eisernen Vorhang jeder Vorstellungskraft.

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Zufall oder Programm

Die Vergangenheit von Zukunftsvisionen

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 5. November 2018, 20 Uhr

Als der Mensch den Computer erfand, ging es von Anfang an nicht nur um die Erleichterung der Erbsenzählerei von Schlotbaronen und Pfennigfuchsern. Vielmehr träumte man davon, aus den Ariadnefäden der Vergangenheit ein Muster für die Zukunft weben zu können. Zwei Fiction-Dokus und ein Abenteuer von Dr. Kimble auf der Flucht zeigen uns drei verschiedene TV-Träume der letzten 40 Jahre aus der Welt von gestern für die Welt von morgen vor, die heute schon Vergangenheit ist.

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25.07.2018

Autonomes Fahren

2018
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Archiv reproducts

Someone is now on the way into denial ...