Sendung von Matthias Dell mit Soundcollagen von reproducts
1969 ging Der Kommissar im ZDF auf Sendung. Anlässlich dieses Jubiläums hat Matthias Dell eine äußerst hörenswerte Sendung Kompressor: 50 Jahre Der Kommissar im DLFK realisiert, zu der reproducts mit Vergnügen die angemessenen Soundcollagen beigesteuert hat.
2018/19
Postkarten-Set à 3 Stück mit 1 Motiv
Auflage 1500 Stück
Vieles mag sich geändert haben, doch auch dieses Jahr werden die in Zusammenarbeit mit Ades Zabel gestalteten Karten wieder an das Personal verschenkt - sowie an gute Gäste, die diesen einmaligen Ort zu schätzen wissen.
Nachdem sich die Soziale Plastik des Fernsehfriedhof.de vor allem mit den materiellen Dimensionen der Emulsion von Ost und West beschäftigt hat, wollen wir uns nun einmal ganz um die Menschen kümmern, allen voran: die einsamen Menschen. Bereits im DFF, dem Nachfolger des DDR-Fernsehens, ist noch während der Wendezeit eine Sendung entwickelt worden, die einsame Herzen zusammenbringen sollte: Je t’aime – Wer mit Wem? Derartige Kuppel-Shows gab und gibt es im Fernsehen immer wieder. Die durchaus bittere Ironie, dass jenes Medium, das die soziale Isolierung des Individuums vorangetrieben hatte wie (zumindest bis dato) kein anderes zuvor, immer wieder genutzt wird, um diese Vereinsamung aufzubrechen, gebiert in jedem TV-Format seine eigene Tragikomik. Was sich jedoch konkret in dieser analogen Dating-App abspielt, ist absolut einmalig, erschütternd und faszinierend zugleich. Es werden ggf. extra weiche Speitüten gereicht, deren flauschige Außenoberfläche mehr Tränen aufsaugen kann als eine Pampers.
Teil 1: die reproducts-Klassiker Teil 2: der reproducts-Giftschrank (ab 21.15h)
Liebe Freunde und Weggefährten,
am 28.11. 2019 lassen wir die ersten 30 Jahre unseres Schaffens im Metropolis Kino in Hamburg Revue passieren …
Wir würden uns freuen, wenn ihr uns dabei die Hand haltet.
„Das Archivlabor unserer Künstlergruppe ist ein Generator für Momentaufnahmen im Spiegeltunnel der Wechselwirkung von Bild und Abbild, von Medium und Welt im Auge des Betrachters.“
Mit diesen Worten deliriert das ehemalige reproducts-Mitglied Per Crustod über die Kerntätigkeit der Hamburger Gruppe.
Aber was produziert reproducts denn nun konkret?
Im Jahr 1994 war die gröbste Arbeit getan – die neuen Bundesbürger hatten mittlerweile ihre „echten“ Jeans am Knie durchgescheuert, unter Anleitung von West-Fernsehköchen ihre erste Kiwi unfallfrei geschält und auch bereits ihren ersten Prozess gegen eine betrügerische Zeitschriften-Abo-Firma oder ein windiges Fassadenrenovierungsunternehmen zwar gewonnen, aber ihr Geld natürlich nicht zurückbekommen. So langsam war man also im Westen angekommen. Aber was nun tun mit der neuen Freiheit? Die Soziale Plastik Fernsehfriedhof.de zeigt in dieser Sitzung die Antwort, die das Westfernsehen darauf gegeben hat: Man kann zum Beispiel eine große Fernsehshow als Moderator/Quizmaster leiten! Und wer könnte dafür besser geeignet sein als Wolfgang „Lippi“ Lippert?! Auf jeden Fall war wohl keiner besser geeignet, sich die Demütigungen gefallen zu lassen, die man sich auf dem Lerchenberg für ihn ausgedacht hatte.
Sehr treffend, dass es bei dieser Show damals noch hieß: „zugunsten der ,Aktion Sorgenkind‘“ …
Diese Soziale Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE befasst sich mit einer weiteren televisionären Nebenwirkung des in jeder Form eindringenden Westens in den Osten. Eben auch in Form von Betrügern und Dieben, die ihren Kenntnisvorsprung gegenüber den Neubundesbürgern ausnutzen. Das ruft Eduard Zimmermann auf den Plan und er recycelt das Archiv seines seit 1963 laufenden „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“-Warnmagazins für ein 13-teiliges „Best of Vorsicht Falle“ auf dem DFF. Fast parallel geht auch Kripo Live auf Sendung und macht ebenfalls unmissverständlich klar, dass die neue Konsumfreiheit nicht umsonst zu haben ist.
Getarnte Katachrese: Mediales Tierleben als Spiegel der Seelenlandschaften ihrer Produzenten – am Beispiel von pinken Paradiesvögeln und gefiederten Hooligans
Mit einer szenischen Einführung von Dorothee Daphi
Fernsehfriedhof.de - 13. September 2019, 18 Uhr,
Deichtorhallen Hamburg - Sammlung Falckenberg
Phoenix Fabrikhallen, Wilstorfer Straße 71, Tor 2, 21073 Hamburg-Harburg
Dokumentarfilm ist eine Fiktion – doch wie immer ist dies nur die halbe Wahrheit. Und damit kann sich die Soziale Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE nicht zufrieden geben. Denn Dokumentarfilm ist natürlich auch eine Dokumentation: vor allem des Innenlebens ihrer Schöpfer. Kaum jemand dokumentiert das besser als der alte Tierfilmer-Haudegen Vitus B. Dröscher. Nie wurde der Überlebenskampf in der Fauna packender und frontberichterstattermäßiger geschildert als von diesem Apologeten der Schicksalsbestimmung. Er führt uns ein in die Travestie-Welt der rosa Schönheiten, die mit ihren Lederstrumpfbeinen in der Säurehölle der Salzsees herumstehen, wo sie von „jungen Kampfadlern“ angegriffen werden.
book.beat am 5. Juni 2019
Duo-Media-Performance*, 30 Minuten
Auf Einladung von Katrin Weiland und der literatur altonale präsentiert reproducts im Rahmen von book.beat eine kleine Auswahl von Karten aus dem schier unerschöpflichen repropost.de-Fundus.
Diese Aufführung wurde übrigens möglich gemacht durch die Großzügigkeit unseres Sponsors Holy Water Tours – dem internationalen Reisespezialisten für Tauf-Touren!
Mehr dazu demnächst in unserer neuen Serie Die Polybaptisten!
30 Jahre „Wende“ – eine Generation ist vergangen … Die Soziale Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE nimmt dies als Anlass für eine Reise zurück zu den Anfängen, als gewiefte Marktwirtschaftshasardeure den passiven Planwirtschaftsaktivisten gezeigt haben, woher der Wind weht. Aber wie sollten die armen, unerfahrenen Zonis da ahnen, dass sie sich mit der D-Mark neben Echtpelzkrägen, Autos und Fernreisen auch jede Menge Ärger, Müll und menschliche Niedertracht einhandeln?! Tutorials auf YouTube gab es noch nicht – und so schlug noch einmal die Stunde des Fernsehens, das die Neu-Bundesbürger an die Hand nahm, ihnen zeigte, wie man Kiwis richtig isst, warum man aufpassen muss bei Unterzeichnung von Verträgen und wie man sich am Strand richtig anzieht. Oder das magische Auge erzählte zum Einschlafen über den Kreditraten-Plänen wundervolle Märchen – zum Beispiel wie ein Ossi sogar mal eine West-Fernsehshow leiten darf! Pures Fernsehgold! Und genau das wird die Soziale Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE in den nächsten Sitzungen wieder funkeln lassen …
Die Soziale Plastik des Fernsehfriedhof.de wird dort gebildet, wo es wehtut. Und dieses Mal heißt es besonders tapfer sein, denn es wird gebohrt. Ohne Betäubung. Ins Gewissen.
reproducts in der Ausstellung Hamburger Videokunst in der Sammlung Falckenberg
Ausstellung vom 13. April bis zum 3. November 2019
kuratiert von Wolfgang Oelze
Bei dieser umfassenden Schau des videokünstlerischen Schaffens in Hamburg in den letzten 40 Jahren ist reproducts vertreten mit dem Video »XY – Die Dinge«.
Jörg Kachelmann ist eine streitbare Figur – unbestritten ist, dass er den höchsten Respekt verdient für sein Durchhaltevermögen, das er in der Rettung seines guten Namens bewiesen hat. Und seit 2019 moderiert er sogar wieder bei Riverboat mit! Anlass genug, noch einmal genauer ins Archiv zu schauen. Und dann wird klar: All diese Anstrengungen in Gerichtssälen und Medien aller Art machen nicht ungeschehen, was damals – im Jahre 1999 – passiert ist. Kurz vor der Jahrtausendwende und der Implosion aller Windows-Rechner im Sender wollte der Hessische Rundfunkt die „große Samstagabend-Show“ wiederbeleben, hatte dazu jedoch fatalerweise einen Rettungssanitäter mit dem schwarzen Daumen bestellt: JBK ohne „B“. Eben jener Jörg Kachelmann, der vor allem als Wetteransager bekannte Moderator, sollte die Über-Show des Über-Showmaster Kulenkampff Einer Wird Gewinnen relaunchen. Dazu trommelte der HR offenbar das längst verrentete Team aus den 60ern zusammen, um eine Spielshow zu inszenieren, wie man sie noch nie gesehen hatte. Das wurde dann allerdings eine Show, die niemals jemand sehen sollte. Eine solche Kaskade an Peinlichkeiten und Obszönitäten war eigentlich nicht sendefähig und verschwand sofort im Giftschrank. Doch irgendwie landete eine VHS-Kopie ohne Absender im reproducts-Briefkasten. Wir betrachten das als Bildungsauftrag für eine Soziale Plastik der Sonderklasse im Rahmen des Fernsehfriedhof.de.
Wir fordern aber die Teilnehmer der Sozialen Plastik schon jetzt auf – nicht wie Kachelmann damals nach der haltlos überzogenen Sendung das Studiopublikum, doch bitte in die Blumenrabatten des Sendergeländes zu urinieren – NICHT in das Blumenbeet vor der Z-Bar zu pullern. Danke.