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Die Soziale Plastik Fernsehfriedhof.de findet seit 2017 in Zusammenarbeit mit Abteilung DG in der Z-Bar, Berlin-Mitte statt. Es ist die Wiederauferstehung des Fernsehmuseums, das zwischen 1998 und 2012 monatlich in der Kurzfilmagentur Hamburg und Berlin stattfand. Zweck ist das gemeinsame Schauen und Analysieren von Artefakten aus der Fernseh-Vergangenheit -Gegenwart und -Zukunft.


05.02.2018

Im Bann von Bibi Blogsberg

Fernsehen, Internet und Fauler Zauber

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 5. Februar 2018, 20 Uhr

iday

Wir schreiben das Jahr 1996. Dieses Mal werden auf Fernsehfriedhof.de uralte TV-Leichen exhumiert, die sich mit dem damals noch ganz neuen Internet beschäftigen. Auf dem Lerchenberg geht T-4 vor der Jahrtausendwende ein TV-Magazin an den Start, das den Zuschauern dieses wundersame Internet näherbringen soll. Bewaffnet mit einem 100 MHz PC und dem damals gebräuchlichen Browser (Netscape Navigator) geht es hinein in die – damals noch etwas weniger unendlichen – Weiten des World Wide Web. Ups, jetzt haben wir schon die Antwort für das Gewinnspiel der Sendung verraten, das nämlich fragte, wofür „WWW“ steht. Egal. 2001, wieder auf dem Lerchenberg, steht bereits der gesamte Fernsehtag im Zeichen des Internets – es ist der erste iDay. Das arme, junge Internet! In nur sechs Jahren vom Findelkind zur toten Cracknutte im Kofferraum eines Formel-Eins-Boliden. Und daran ist nicht Crystal (und auch nicht Krystle Carrington) schuld, sondern Kai Böcking und die ganze Truppe der offenbar ewig beäbbelwoiten Mainzer Fernsehmacher. Denn wenn das Web dazu dient, die „Zuschauer und User“ abstimmen zu lassen, welche Krawatte der Nachrichtensprecher heute in der Hauptsendung tragen soll, ahnen wir bereits, was wir jetzt nur zu gut kennen: den Daumen-Terror der gelikten Realität. Aber keine Sorge, das lässt sich noch steigern. Mit einer lebenden toten Cracknutte aus dem Spiegel-Kabinett der Influencer-Kranken. Die zeigt 2017 – tss, schon wieder vom Lerchenberg aus gesteuert! – wie uns die sozialen Medien manipulieren. Mit Hilfe einer TV-Sendung, die so derartig langsam, retro und manipulativ daherkommt, dass sich eine XY-Sendung aus den 70ern dagegen wie die Verkündung der ewigen Wahrheiten mit 180 bpm anfühlt. Davon kann man natürlich nur Ausschnitte zeigen, denn wir tragen schließlich eine Verantwortung gegenüber den Teilnehmern an der Formung der Sozialen Plastik Fernsehfriedhof.de – alles andere wäre körperliche und seelische Grausamkeit! Dennoch interessant ist, was uns diese Sendung über den gesellschaftlichen Stellenwert der verschiedenen Medien erzählt. Und vor allem welche Macht Fernsehen auch heute immer noch hat …

04.12.2017

Death Hacks

Fiktionen und ihr Verfallsdatum

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 4. Dezember 2017, 20 Uhr

village

Auf dem Fernsehfriedhof.de findet ein Wettrennen statt! Wir lassen zwei Varianten der Fiktion gegeneinander antreten, um zu schauen, welche davon heute noch am besten mit uns Achterbahn fährt. Denn das ist seit Menschengedenken die Formel 1 aller Erzählungen: Fiktion! Im Epos, der Sage, der Religion, um uns unterhaltsam die Welt zu erklären – im Roman, im Film, in der Serie, um uns vielleicht einen Teil der Welt zu erklären, aber vor allem, um uns zu unterhalten. Interessant wird es besonders, wenn in der Fiktion selbst eine Fiktion erschaffen wird. Im roten Carrera-Flitzer lässt bereits Kobra, übernehmen Sie die Reifen qualmen. In der Folge „Da capo“ von 1971 wird William Shatner betäubt, chemisch auf jung getrimmt und entsprechend geschminkt in die vermeintliche Stadt seiner Jugend zurückversetzt, um ihm ein Geständnis für einen 30 Jahre zurückliegenden Mord zu entlocken. Dabei kommen rein analoge Hilfsmittel zum Einsatz – es ist die Zeit vor CGI und allen sonstigen digitalen Tricks. Wird sich diese Fiktion in ihrer Haltbarkeit – ihrer Glaubhaftigkeit – gegen den gelben Flitzer von Nummer 6 – The Prisoner behaupten können? In der Folge „Hammer oder Amboss“ von 1967 wird auf jegliche Requisite verzichtet. Die Fiktion, die Nummer 6 für seinen Gegenspieler baut, existiert einzig und allein in dessen Vorstellung. Und damit auch in der der Fernsehfriedhof.de-Besucher von heute.

05.06.2017

LSD wird 74

Der Fernsehfriedhof.de feiert die Ausschüttung des Heiligen Geistes

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 5. Juni 2017, 20 Uhr

LSD – drei Buchstaben, die für einen radikal neuen Blick auf das Universum stehen. 74 Jahre ist es nun geworden – ein Alter, wo andere längst in Rente sind und auf ihren vier Buchstaben sitzen. Doch mitnichten klappt dieses Molekül seine Kohlenstoffringe zusammen wie einen mottenzerfressenen Chapeau Claque – im Gegenteil, dem Schweizer Chemiegenie Albert Hofmann zufolge steht uns das ganz große Zeitalter der psychoaktiven Bewusstseinserweiterung noch bevor! Ein bisschen davon ahnte er wohl bereits am 19. April 1943, als er auf seinem Fahrrad vom Labor nach Hause ab– und gleichzeitig in seinem Gehirn, seiner Seele und seinem Herz das LSD einfuhr. Die Erfindung des Rades für das Denken.

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Um sich dem Phänomen in gebührendem Respekt zu nähern, zeigt die Soziale Plastik Fernsehfriedhof.de zunächst ein Interview mit Albert Hofmann, das er zu seinem 100. Geburtstag über sein Leben nach der Geburt seines Wunder- und Sorgenkindes gegeben hat.

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03.04.2017

Eigenblutrache

Der Fluch der Serie

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 3. April 2017, 20 Uhr

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Wer kennt sie nicht – die Waltons?! Tief eingegraben in das kollektive Bewusstsein der Fernsehzuschauer. Aber nicht nur dort! Auch in den Köpfen der Serien-Autoren. Und natürlich auch in den realen Karrieren der Schauspieler. Der Fernsehfriedhof.de zeigt in dieser Materialisierung der Sozialen Plastik des gemeinsamen Fernsehens, wie sich die verschiedenen Betroffenen daran abarbeiten. Richard Thomas – der ewige John Boy – wagt 2001 einen Befreiungsschlag und gibt einen frauenhassenden Serienmörder in Law and Order. Selbstredend gescheitert, denn die Autoren führen seinen Wahnsinn auf seine bibeltreue Herkunft zurück und lassen ihn einfach nicht raus aus seiner Zwangsjacke der gottesfürchtigen Rechtschaffenheit. Genauso und dennoch umgekehrt ergeht es Vater Walton, Ralph Waite. Die Autoren von Carnivàle machen ihn zum Ziehvater des Teufels schlechthin. Und damit nicht genug! Gelähmt von einem Schlaganfall muss er Grausamkeiten perfidester Art und sexuelle Demütigungen bewegungsunfähig sabbernd über sich ergehen lassen. Aber auch an aufstrebenden Gaststars wie Paul Michael Glaser – dem späteren Starsky von Starsky und Hutch – geht der kurze Besuch in Waltons Mountain nicht spurlos vorüber …

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06.03.2017

Salzhölle der Flamingos

Tierfilme als Propaganda

Fernsehfriedhof.de - Z-Bar Berlin - 6. März 2017, 20 Uhr

flamingos

Dokumentarfilm ist eine Fiktion – doch wie immer ist dies nur die halbe Wahrheit. Kaum jemand dokumentiert das besser als der alte Tierfilmer-Haudegen Vitus B. Dröscher. Nie wurde der Überlebenskampf in der Fauna packender und frontberichterstattermäßiger geschildert als von diesem Apologeten der Schicksalsbestimmung. Schon die Eröffnungsszene der Serie, die Mitte der 90er auf Sat1 lief, ein Bwana-Traum allererster Klasse. Vitus B. vor fragwürdiger Dschungelkulisse auf dem Beifahrersitz im offenen Daktari-Jeep, der schwarze Boy am Steuer, und seine Frau sitzt, natürlich, hinten und hält den Mund (Lebenszweck: Kopf gegen nicht vorhandenen Überrollbügel schlagen). Und dann führt er uns ohne jede Gnade eines Gleitmittels ein in die Travestie-Welt dieser rosa Schönheiten, die mit ihren Lederstrumpfbeinen in der Säurehölle des Salzsees herumstehen, während sie von „jungen Kampfadlern“ angegriffen werden. Die Pforten der Wahrnehmung hängen bei Vitus B. nur noch lose in den Angeln, wenn er sich an seinen sozialdarwinistischen Idealen, seiner latenten Homophilie und seinen sadomasochistischen Obsessionen wortreich abarbeitet.

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Fernsehmuseum reloaded

Ein untotes Projekt kehrt zurück

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FERNSEHFRIEDHOF.DE
… die kollektive Schau der flimmernden Fernsehleichen

Abteilung DG und reproducts waren mit dem Fernsehmuseum in der Z-Bar wie immer heillos der Zeit voraus, als sie im Jahr 2001 die Soziale Plastik zum gemeinsamen Anschauen und Verarbeiten vergangener und zukünftiger TV-Traumata im Kino-Therapie-Saal dieser unbeugsamen Enklave im Herzen der Hauptstadt eröffneten. Doch jene Zeit war noch nicht reif für die Erkenntnis, dass Fernsehen in jeder Hinsicht eine museale Würdigung verdient. Einerseits weil es eine gigantische, großartige Kulturleistung ist, die eine immense Wirkung auf den Einzelnen wie die Gesellschaft hatte. Andererseits weil uns schon damals die goldenen Zeiten der linearen Einbahnstraßen-Glotzerei unwiderruflich vorbei schienen. Uns war klar, dass der interaktiven, nonlinearen „on demand“-Zapperei in zeitlicher Fragmentierung die Zukunft gehört. Und nun ist bereits eine Generation herangewachsen, die gar nicht mehr weiß, was das eigentlich war, dieses „Fernsehen“ – und vor allem dieses seltsame Ritual, das die Alten „gemeinsames Fernsehgucken“ nannten. Na bitte, diese Zeit ist nun also reif! reproducts und Abteilung DG reaktivieren mit Hilfe ihres endlosen Videoarchivs die Zeitmaschine wieder, setzen den Kristall-Hebel in die Steuerung, ziehen ihn bis Anschlag zurück – und laden ein, sich unter fachkundiger und psychologischer Betreuung diesem vergessenen Ritual auszusetzen und gemeinsam in eine Zeit zurückzureisen, als Antennen noch Wünschelruten für Sphärenschätze waren, die dem Menschen in der Masse via Kathoden-Totem Information und Unterhaltung brachten.

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