Zu Füßen des Michel zittern am 13. Juli die Wände eines der Verzeichnis-Lager für das reproducts-Archiv in Tötensen. Erst nach einiger Zeit wird klar, das hier eine extrem düstere Version von »We Will Rock You«, gekreuzt mit einer dieser Fußball-Hymnen durch die Hafengegend schallt. Unzweifelthaft einer dieser unangekündigten Auftritte der kalifornischen Obskuro-Art-Rocker The Residents. Später erfuhren wird, dass sich die Band an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zurück nach Amerika befand und die neue Schiffshorn-Orgel ausprobierte.
Werbung und Wahrheit finden ohnehin nur im Herzen zusammen
Als einer der letzten Super-8-Filme, den ein Gruppenmitglied von reproducts gedreht hatte, lag »GAP«* seit 1988 unbearbeitet im Archiv. Durch einen Kontakt zwischen dem Film- und Fernsehorchester Hamburg und reproducts entstand die Idee, diesen Stummfilm für ein Projekt des FFH zu verwenden.
Im März 1999 verlässt der erste rein digital erstellte Film das reproducts-Labor
Im Frühjahr 1977 präsentierte die Hamburger Volksbank in ihrer Zentrale 50 Wettbewerbsbeiträge junger Künstler aus ganz Deutschland zum Thema:
Junge Menschen entwerfen eine Plattenhülle für ihre Lieblingsmusik
reproducts rekonstruierte auf Anregung der Volkswagen Stiftung mit den Originalbildern und Tonaufnahmen der Preisträger mit den Kommentaren zu ihren Werken die Ausstellung als Beitrag zur Expo 2000. An der Schwelle der Jahrtausendwende gilt es, die Träume der jungen Leute von damals in ein neues Millenium hinüberzuretten.
Der lange Marsch, Klaus BosseckI wie Ikarus, Frank Rudek
Nur der tiefe Glaube an die Möglichkeit des Unmöglichen kann einen
Menschen veranlassen, bei Windstille einen Drachen steigen zu lassen
Im Jahr 1997 bricht eine neue Ära an: Das Stichwort heißt „Diversifikation“. Die Materialflut reißt nicht ab und das Archiv platzt aus allen Nähten. reproducts erlaubt von nun an ausgewählten Personen, das Archiv zu nutzen und eigene Produkte zu fertigen. Zwei Früchte dieser Öffnung sind der strukturelle Kurzfilm des jungen Fernstudenten Klaus Bosseck aus Bitterfeld mit dem Titel »Der lange Marsch« und das Musikvideo »I wie Ikarus« von Frank Rudek, Regieassistent aus Fürstenfeldbruck.
1996
Video, 4 Minuten
Regie: Guido S. Weihermüller
Kamera/Licht: Hilmar Mehnert
Schnitt: Jochen Carl Müller
Buch: Falk Klennert aka Felix Kubin
Sag mir, wo Du stehst!
Im Sommer 1996 hofft die Liedertafel Margot Honecker mit der Erstellung eines professionellen Musikvideos, einen Wundbrand am Hirnstumpf westlicher Popmusik auszulösen. Mitglieder von reproducts bekunden ihre Solidarität mit diesem Vorhaben, indem sie als Darsteller in dem Clip »Vowärts, Freie Deutsche Jugend!« auftreten.
Ein Mann und eine Frau (es könnte sich um ein Ehepaar handeln) machen in den frühen 70ern Urlaub im Berchtesgadener Land – er meistenteils hinter der Super-8-Kamera, sie davor. Die Aufnahmen zeigen alle wichtigen Sehenswürdigkeiten dieses Landstrichs … vor allem aber die Frau. Oder besser zeigten! Denn irgend jemand hat auf allen der 8123 winzigen Bilder den Kopf dieser Frau weggekratzt.
Die Beschäftigung mit dem medialen Erbe der DDR führt reproducts mit der Liedertafel Margot Honecker zusammen, einem Singekreis von Ewigmorgigen, die fest an die Zukunft eines befriedeten Miteinanders in der Gemeinsamkeit der Differenz glauben und dafür ihre Stimme erheben.