reproducts-Mitglieder präsentieren Beweisstücke im ästhetischen Schuldzuweisungsverfahren
Im November 2002 feiert das Künstlerhaus Hamburg in der Weidenallee sein 25-Jähriges Bestehen. reproducts hat auf Einladung zu den Festlichkeiten das Programm "No Future for Glam Rock" gestaltet, in dem das Jahr 1977 genauer unter die Lupe genommen wird.
1998
Filmvorführung und Performance parallel in Hamburg und München
Am 16. Oktober 1998 um 20 Uhr 15 gilt es erneut, einer Fernsehlegende das letzte Geleit zu geben: Stephan Derrick verschwindet in der Dunkelheit, ohne einen Blick zurück auf den ihm folgenden Feuer-und-Schwefel-Regen des Verbrechens zu werfen. Im Hamburger Metropolis Kino wird nach der Live-Übertragung der letzten Derrick-Folge Raum für spontane Kondolenzen vor der Leinwand-Krypta gegeben, während »Die 3 F – Ferbrechen, Fahndung, Fiesta!« als Schleife läuft.
1998
Ausstellung mit Installation und Performance in Basel, Kunstverein
Vom 14. bis zum 21. August findet im Kunstverein Basel die von Andreas Baur kuratierte Ausstellung Fernsehen für alle statt. Die »Erfahrungs-Kollektion« begegnet hier mit »XYZ« der 1997 begonnenen dokumentarischen Langzeitbeobachtung des Pfahlsitz-Wettbewerbs im Heidepark, Soltau.
Am 24. Oktober 1997 gab Eduard Zimmermann nach 30 Jahren ungebrochener Kontinuität die Moderation von Aktenzeichen XY ...ungelöst an den Rechtsanwalt Butz Peters ab. Damit ging die längste Ära des deutschen Fernsehens zu Ende. Für reproducts der Anlass, aus dem eigenen XY-Archiv mit gut 100 Sendungen einen 100-minütigen Zusammenschnitt herzustellen.
1996-1998
Multimedia-Performance, 90 Minuten
Reiseleiter: Jörg Wagner
Musikant: Felix Kubin
Wie so oft, sagt ein Bild mehr als 1000 Worte…
Am 20. Dezember 1996 wird das »Reisen & Speisen«-Programm in Hamburg uraufgeführt. Die nichtdigitale Live-Umsetzung eines Teils der CD-ROM »Kyberkur in Bad Lux« schildert eine Reise entlang des grauen Bands der Autobahn zu den schönsten Raststätten und Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
In der Sylvesternacht 1992/93 rekonstruieren die Mitarbeiter anläßlich der innenpolitischen Gewaltakte in der BRD die Schlüsselszenen aus »Ben Hur« und »Quo Vadis« in einer spontanen Aufführung auf dem Dach des Springer-Hochhauses in Berlin, die jedoch nach sechs Minuten von der Polizei beendet wird.
1991
Ausstellung mit Tafelbildern, Installationen und Performances
BP-Zentrale, Hamburg
Die Ikone der Übergangenen…
Digger Barnes – ewig unterlegener Gegenspieler des Ölbarons Jock Ewing
Die jährlich stattfindende Gruppenschau neuer Kunst in der Zentrale der Deutschen BP-Aktiengesellschaft ist die erste Aktion der Gruppe in diesem klassischen Kunst-Sektor.
1990
Filmvorführung und Performance
Metropolis Kino, Hamburg
Das öffentliche Debut der Gruppe unter dem Titel »Alles Neu«, im Hamburger Metropolis Kino am 21. Dezember 1990, steht ganz im Zeichen der Weltraumfahrt – das entscheidende Projektionsfeld menschlicher Sehnsüchte, nachdem die letzten weißen Flecken auf der Weltkugel endgültig geschwärzt sind.
1987, München
Performance von 10 Personen ohne Zuschauer
aufgezeichnet auf VHS-Video, ca. 120 Minuten
Hans Rosenthal hätte als Junge gern bei Hertha BSC Fußball gespielt,
Juden war das in Nazideutschland jedoch verboten
Das Privatfernsehen hatte gerade erst begonnen. Es war noch die Zeit, in der TV-Sendungen kollektive Ereignisse darstellen konnten. Und das nicht nur als Übertragung einer Fußball-WM, sondern als Krimi oder Fernsehshow. Dalli Dalli! war so eine Sendung. Eine Rateshow mit Prominenten, die heute unvorstellbare Einschaltquoten von 90% erreichte. Praktisch jeder schaute also am Donnerstag dieses „Ratespiel für Schnelldenker“, moderiert von Hans Rosenthal. Auch einige spätere reproducts-Mitglieder saßen damals gebannt vor der Kathodenröhre. Aber erst sehr viel später sollte ihnen bewusst werden, welche Rolle dieser Mann im postfaschistischen Deutschland wirklich spielte. Was für einen unbedingten Wunsch zur Versöhnung einen offensichtlich sehr großherzigen Menschen da trieb, der scheinbar nichts lieber wollte, als mit anderen, meist fremden Menschen ein bisschen Zeit mit lustigen Spielereien zu verbringen. Das alles nachdem er, der Jude Hans Rosenthal, die letzten Kriegsjahre von zwei mutigen Frauen in einer Berliner Kleingartensiedlung versteckt worden war. Dort hockte er in einer Gartenlaube und sprang bei jedem verdächtigen Geräusch in ein gut getarntes Erdloch, um nicht doch noch den Häschern der Gestapo oder denuziatorischen Nachbarn in die Hände zu fallen. Sein Ende in der menschenbetriebenen Mordmaschine des faschistischen Deutschlands wäre besiegelt gewesen .