Im März 1999 verlässt der erste rein digital erstellte Film das reproducts-Labor
Im Frühjahr 1977 präsentierte die Hamburger Volksbank in ihrer Zentrale 50 Wettbewerbsbeiträge junger Künstler aus ganz Deutschland zum Thema:
Junge Menschen entwerfen eine Plattenhülle für ihre Lieblingsmusik
reproducts rekonstruierte auf Anregung der Volkswagen Stiftung mit den Originalbildern und Tonaufnahmen der Preisträger mit den Kommentaren zu ihren Werken die Ausstellung als Beitrag zur Expo 2000. An der Schwelle der Jahrtausendwende gilt es, die Träume der jungen Leute von damals in ein neues Millenium hinüberzuretten.
Nach dem großen Echo auf »Alles Neu« erteilt das Versandhaus Walz einen Folgeauftrag an reproducts. Um einen sicheren Erfolg zu garantieren, orientiert sich der Werbefilm an einem der bemerkenswertesten Formate, die das öffentlich-rechtliche Fernsehen hervorgebracht hat: das Schaufenster am Donnerstag.
1994
Schwarzweiß-Video, 13 Minuten
Darsteller: Haley Newman als Anne
Judith Cole als Teacher Barbara Thumm als Dr. Krüger
James Pfaff als Passenger u.a
„Die Umwandlung eines Aussagesatzes in einen Fragesatz
geschieht durch die Umstellung von Verb und Subjekt.‟
Fast 30 Jahre lief täglich eine der 51 Folgen des TV-Kurses English For You im Fernsehen der DDR. 1995 - 6 Jahre nach dem Fall der Mauer - produzierte reproducts die 52. und letzte Folge der Kultserie, die den Menschen die Worte für das stets Vermiedene lehrt:
In der Sylvesternacht 1992/93 rekonstruieren die Mitarbeiter anläßlich der innenpolitischen Gewaltakte in der BRD die Schlüsselszenen aus »Ben Hur« und »Quo Vadis« in einer spontanen Aufführung auf dem Dach des Springer-Hochhauses in Berlin, die jedoch nach sechs Minuten von der Polizei beendet wird.
Die Beschäftigung mit dem medialen Erbe der DDR führt reproducts mit der Liedertafel Margot Honecker zusammen, einem Singekreis von Ewigmorgigen, die fest an die Zukunft eines befriedeten Miteinanders in der Gemeinsamkeit der Differenz glauben und dafür ihre Stimme erheben.
In den neu bezogenen Büroräumen in der Wendenstraße 45 finden die Mitarbeiter von reproducts bei Renovierungsarbeiten eine zutapezierte Verbindungstür vor. Sie führt in einen Raum…
1987, München
Performance von 10 Personen ohne Zuschauer
aufgezeichnet auf VHS-Video, ca. 120 Minuten
Hans Rosenthal hätte als Junge gern bei Hertha BSC Fußball gespielt,
Juden war das in Nazideutschland jedoch verboten
Das Privatfernsehen hatte gerade erst begonnen. Es war noch die Zeit, in der TV-Sendungen kollektive Ereignisse darstellen konnten. Und das nicht nur als Übertragung einer Fußball-WM, sondern als Krimi oder Fernsehshow. Dalli Dalli! war so eine Sendung. Eine Rateshow mit Prominenten, die heute unvorstellbare Einschaltquoten von 90% erreichte. Praktisch jeder schaute also am Donnerstag dieses „Ratespiel für Schnelldenker“, moderiert von Hans Rosenthal. Auch einige spätere reproducts-Mitglieder saßen damals gebannt vor der Kathodenröhre. Aber erst sehr viel später sollte ihnen bewusst werden, welche Rolle dieser Mann im postfaschistischen Deutschland wirklich spielte. Was für einen unbedingten Wunsch zur Versöhnung einen offensichtlich sehr großherzigen Menschen da trieb, der scheinbar nichts lieber wollte, als mit anderen, meist fremden Menschen ein bisschen Zeit mit lustigen Spielereien zu verbringen. Das alles nachdem er, der Jude Hans Rosenthal, die letzten Kriegsjahre von zwei mutigen Frauen in einer Berliner Kleingartensiedlung versteckt worden war. Dort hockte er in einer Gartenlaube und sprang bei jedem verdächtigen Geräusch in ein gut getarntes Erdloch, um nicht doch noch den Häschern der Gestapo oder denuziatorischen Nachbarn in die Hände zu fallen. Sein Ende in der menschenbetriebenen Mordmaschine des faschistischen Deutschlands wäre besiegelt gewesen .